Seite wählen

Das Leben ist ein Ponyhof

von | 21. Apr 2020

Stellt Euch mal vor….

Es ist kurz vor 6. Bevor der Wecker einen aus dem Schlaf reißen konnte, haben die Vögel einen schon mit ihrem morgendlichen Gesang geweckt. Ansonsten hört man nichts. Eine himmlische Ruhe, die nur ab und an von einem leisen Schnauben unterbrochen wird. Beim Blick aus dem Fenster sieht man im allerersten Morgenlicht die dunklen Silhouetten von 3 Pferden, die zufrieden an der Raufe stehen, Heu zupfen und nur ab und an eine Fliege verscheuchen.

Während man sich ein Lächeln kaum verkneifen kann, läuft man die Treppe runter, schlüpft in die Gummistiefel und wird draußen von freudigem Wiehern begrüßt.

So viel zur Traumvorstellung vieler Pferdeleute. Und zugegebenermaßen auch meiner eigenen. Denn mal Hand aufs Herz. Die meisten von uns träumen doch davon, mehr Zeit mit den Vierbeinern verbringen zu können. Sie quasi am Haus oder der Wohnung stehen zu haben. Selber füttern zu können, abends vor dem Schlafen gehen noch mal schnell über die weiche Pferdenase zu streicheln und eine Karotte in den Trog zu werfen.

Der Traum von der eigenen kleinen Reitanlage wird landauf und landab von unendlich vielen Reitern geträumt.
Aber ist die Realität so schön wie die Vorstellung davon?

Fest steht, so wild romantisch, wie viele Reiter sich das Leben mit Pferden vorstellen, ist die Realität nicht. Denn neben den vielen schönen Momenten, die einen zweifelsohne erwarten, gibt es eben auch die andere Seite. Nieselregen bei 3 Grad, eine Stall ToDo Liste die nie kleiner wird, Misthaufen die immer größer werden und tausende große und kleine Sorgen, an die man als Einstaller eines Vollpensionstalls nicht mal im Traum denkt.

Taucht man etwas tiefer ab und führt Gespräche mit Menschen, die sich diesen Traum erfüllt haben, wird schnell eins klar. Ein eigener Stall, egal, ob Offenstall, Boxenhaltung, oder 24/7 Weide, ist vor allem eins: Arbeit. Und zwar mehr Arbeit, als man es sich je hätte vorstellen können. Eine Bekannte sagte zu mir: „Wenn du denkst, es ist mehr Arbeit als Du glaubst, lege einfach nochmal das Doppelte drauf und du hast annähend eine Vorstellung.“

Neben den offensichtlichen Punkten wie ausmisten, füttern und Pferdepflege, hat man es plötzlich mit Dingen zu tun, in die man sich einarbeiten muss. Die man organisieren muss und auf die man selten perfekt vorbereitet ist.

Neben der reinen Arbeitsleistung sind auch die Kosten meist eher ausufernd und bleiben selten im Rahmen dessen, was geplant war.

Aber eigentlich sind wir damit schon einen Schritt zu weit.
Denn bevor Arbeit und Kosten auf einen zukommen können, braucht man ja erst mal die passende Fläche oder das passende Objekt. Und das muss man nicht nur finden, sondern vor allem auch für die eigenen Ideen nutzen dürfen. Einfach das Pferd auf die Wiese stellen und einen mobilen Unterstand organisieren, ist nämlich leider nicht drin. Und spätestens bei der Objektsuche, wird einem schnell klar, dass der Traum vom Ponyhof auch zum Alptraum werden kann.

Eigentlich kann man nur jedem, der das Vorhaben eigener Stall angeht, viel Glück wünschen und ein klein wenig an dessen Verstand zweifeln. Aber für verrückt hält man uns Reiter doch eh, oder?

Trotz aller Stolpersteine, auch nach Abzug jeglicher Ponyromantik, juckt es mich und viele viele andere in den Fingern. Klar wird man dafür belächelt oder sogar als naiv abgestempelt. Aber die Meinung anderer, sollte kein Grund sein, seinen Träumen nicht nachzujagen.

Seit einem dreiviertel Jahr, arbeite ich an der Realisierung des Projekts Ponyhausen. Mein eigener kleiner Hof. Mit Platz für Philipp, Charlie, mich und meine Pferde und noch einige andere Tiere.

Ein eigener Stall bedeutet nicht nur mehr Kosten und mehr Arbeit als geplant. Bis alles in Stein gemeisselt ist, liegt ein langer steiniger Weg vor einem. Es schwirren einem hunderte neuer Begriffe durch den Kopf, und man hält sich in regelmässigen Abständen für absolut bekloppt, dieses Projekt wirklich durchzuziehen. Wörter wie Resthof, Aussenbereich, Umnutzung, landwirtschaftliche Privilegien, Baugenehmigung sind plötzlich täglicher Begleiter.

Der Bürokratie Dschungel kann einem den Spaß schon ganz schön vermiesen. Auf der anderen Seite, sollte man vielleicht froh sein, dass es Regeln gibt, die es nicht jedem ermöglichen zu machen was er möchte. Eindeutig ein zweischneidiges Schwert.

Fest steht, dass man bei seinem Projekt eigener Stall jede Hilfe braucht, die man bekommen kann. Sei es der Anwalt, der sich mit § 35 auskennt, die Landwirtschaftskammer, die Architektin die weiß wie eine Bauvoranfrage zu formulieren ist oder der tolle Nachbar, der einem ein paar Tipps mit auf den Weg gibt. Fachleute können definitiv nicht schaden.

Nicht zu vergessen, der eigene Glaube an das ganze Vorhaben. Gepaart mit gesunder Hartnäckigkeit ist man dann relativ gut aufgestellt für das was da auf einen zukommt. Aber dann kann einem immer noch etwas dazwischen kommen. Corona zum Beispiel. Dabei sind die Unterlagen da, die Genehmigungen liegen vor, eine Reservierung ist gemacht und die Finanzierung geregelt. Und trotzdem heisst es erneut Geduld haben und warten. Ich glaube, wenn ich tatsächlich in den nächsten Wochen meine Unterschrift unter den Vertrag setze, falle ich einfach in Ohnmacht. 

Außenstehende müssen einen zwangsläufig für verrückt halten angesichts dieser vielen möglichen Probleme.
Aber stellt Euch mal vor, man wird fürs Durchhalten belohnt.

Man läuft im Morgengrauen die Treppe runter, schlüpft in die Gummistiefel und wird von freudigem Wiehern begrüßt. Wahrscheinlich sind aus den 3 Vierbeinern eher 4 geworden, ein Pony ist auch neu eingezogen und der zweite Hund nur eine Frage der Zeit.
Der Reitplatz sieht vielleicht nicht immer so perfekt abgezogen aus wie in großen Vereinen und auch der Zaun bräuchte dringend einen neuen Anstrich. Aber man lebt seinen ganz persönlichen Traum. Man sitzt mit einem Kaffee auf der Holzbank vorm eigenen Stall in der Morgensonne, streicht über die Pferdenase die neugierig über den Zaun schaut, kann sich erneut ein Lächeln nicht verkneifen und weiss, dass man erreicht hat wovon viele nur zu träumen wagen.

24 Kommentare

  1. Vici

    Das ist wirklich DER Traum eines jeden Pferdemädchens 🥰
    Verfolgen zu dürfen, wie du dir diesen Traum erfüllst macht so Spaß. Ich fiebere immer mit und warte auf die neusten Infos von dir! Für die letzten Schritte kurz vorm Ziel und den Tag der Unterschrift drücke ich dir ganz doll die Daumen und viel Erfolg! 😘

    Antworten
    • Annica

      Ich hoffe so sehr, dass jetzt auf den letzten Metern alles glatt läuft. Aber ich höre einfach nicht mehr auf den linken Daumen zu drücken. Danke für deinen Kommentar 🙂

      Antworten
      • Sina

        Ich stimme dir zu 100% zu. Wir haben auch das Glück und können aus dem Fenster in den Pferdestall und auf die Weide schauen. Uns haben vor fünf Jahren auch alle für verrückt erklärt mit unseren Ideen für den Resthof.. Und so langsam wird tatsächlich alles so, wie wir es uns erträumt haben. Dafür arbeiten wir aber seit Jahren jeden Tag, jedes Wochenende an unserem Traum. Aber es lohnt sich, wenn man dann tatsächlich mal für eine Minute auf der Bank sitzt 😂

        Antworten
    • Anne

      Oh ich kann sagen es ist ein absoluter Traum. Wir haben drei Pferde am Haus stehen und ja es ist viel Arbeit und abends um 10 die letzte Protion Heu füttern gehen kann bei drei Grad und Nieselregen einen echte überwindung sein aber es macht auch oft einfach glücklich. Wenn ich Perfektion möchte Lade ich meine einfach auf und fahr in die top moderne und gepflegte Anlage hier im Dorf. Ansonsten mag ich unseren eigenen kleinen Hof viel lieber 😊

      Antworten
  2. Katja

    Ja, den Traum durfte ich schon leben. Aber nun wenn die 5 vorm Alter steht hab ich andere Träume. Mein Rücken ist kaputt und ich bin froh wenn das Pony in Vollpension eingestellt ist und ich, da die Kinder groß sind, auch mal auf Reisen gehen kann, einfach so spontan übers Wochenende oder auch mal länger. Wenn es mir nicht gut geht, noch ne Stunde liegen bleiben darf und einfach dann später zum Pferd gehe. Ohne Einsteller hatte man viel Ruhe, aber mußte auch mit 40 Fieber raus. Mit Einsteller konnte man auch mal weg fahren, dafür immer ne große Verantwortung und oft „Ärger“. Geht man noch normal arbeiten, rutscht das reiten in Hintergrund,die Arbeit geht nunmal vor Geht man nicht arbeiten darf ja nix passieren sonst ist es finanziell düster…😅

    Antworten
    • Nele

      Das ist echt ein Traum 😍🐴

      Antworten
      • Anne

        Oh ich kann sagen es ist ein absoluter Traum. Wir haben drei Pferde am Haus stehen und ja es ist viel Arbeit und abends um 10 die letzte Protion Heu füttern gehen kann bei drei Grad und Nieselregen einen echte überwindung sein aber es macht auch oft einfach glücklich. Wenn ich Perfektion möchte Lade ich meine einfach auf und fahr in die top moderne und gepflegte Anlage hier im Dorf. Ansonsten mag ich unseren eigenen kleinen Hof viel lieber 😊

        Antworten
  3. Sabrina

    Das ist wirklich DER Traum eines jeden Pferdemädchens
    Verfolgen zu dürfen, wie du dir diesen Traum erfüllst macht so Spaß.

    Antworten
    • Sandra

      Sehr schön geschrieben, hoffentlich wird euer Traum bald wahr. 💜💜💜

      Antworten
      • Anna

        Ich habe das Glück,genau diesen Traum zu leben und mir ist jetzt erst klar geworden wie dankbar man dafür sein kann und dass es nicht selbstverständlich ist sein Pferd „vor der Haustür“stehen zu haben.Ich drücke dir mit Ponyhausen ganz fest den linken Daumen und hoffen wir es klappt❤

        Antworten
  4. Carla

    Sehr interessant und über manche Sachen habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht.

    Antworten
  5. Ina

    Danke liebe Annica ❣
    Du erhellst den Weg eines jeden von uns mit deinen Worten und der Liebe mit der diese Worte verfasst worden❣❣❣

    Antworten
  6. Lena
  7. Chiara

    Ich finde es so toll das du deine Community auf diese Reise mitnimmst. Ich hatte das Glück 6 Wochen lang bei einem Reitstall zu wohnen und jeden Tag mitzuhelfen. Ja es war viel Arbeit und ja es hat an den Kräften gezehrt doch wie du geschrieben hast, dafür hat man unglaubliche Momente die man vielleicht so nicht erlebt hätte. Wie z.b morgens ganz früh aufzustehen sich schnell eine Reithose angezogen, einen Pulli über das Pyjama Oberteil geworfen und rausgehen fertig machen und noch im Morgengrauen mit dem Lieblingspferd ausreiten zu gehen wird immer bleiben. Eine meiner schönsten Reiterlebnisse.
    Viele Grüße und viel Glück weiterhin. 🥰

    Antworten
  8. Tanja und Macy

    Viel Glück und Erfolg weiterhin und das es denn wenn der Spuk vorbei ist für euch ein voller Erfolg wird und wir weiter hin so viel und oft dabei sein dürfen.
    Deine Seite ist übrigens sehr gut geworden

    Antworten
  9. Franzi

    Halte durch und lebe deine Träume. Wir haben es 2018 auch geschafft und haben ein großes altes Haus mit 3 Pferden, 1 Hund und 1 Katze. Wohnen hier zu viert als Familie und genießen das Landleben in vollen Zügen. Jeder Quadratmeter egal ob drinnen oder draußen ist es wert 🥰

    Antworten
  10. Medea Sitzlach

    Liebe Annica,

    ich wollte Dir nur mal sagen, was du da für einen tollen Blog aufgebaut hast. Ich habe großen Spaß deine Beitrage zu lesen und gerade dieser Beitrag rund um Ponyhausen gefällt mir besonders. Es zeigt einem, dass es sich immer lohnt für seine Träume zu kämpfen!

    Halte durch und bleibt gesund, ich drücke ganz fest die Daumen =)

    Antworten
  11. Annie

    Ich bin völlig verliebt in deine Anfänge der kleine Ausflug in den Traum ehe du von der Realität erzählst. Es ist wie den Anfang von einem Buch zu lesen und man ist mit den Gedanken direkt beim selben Traum.
    Ich drücke dir die Daumen, dass es bis zur Unterschrift nicht mehr all zu holprig wird.

    Antworten
    • Darija

      Ich wünsche euch viel Glück und das dein Traum in Erfüllung geht!

      Antworten
  12. Charlotte

    Ich wünsche Dir so sehr, dass alles klappt!!!

    Antworten
  13. Bille Mehrgardt

    Ich liebe es, die Blogs zu lesen, und es stimmt wirklich es ist DER Traum eines jeden Pferdemädchens, mal einen eigenen kleinen oder auch größeren Stall zu besitzen, doch man denkt immer nur an die schönen Dinge und nicht an die viele Arbeit, die das ist…☺️

    Antworten
  14. Adriana

    Der Traum ist verständlich aber ganz realistisch eigentlich nur für die, die Hof oder Grundstück in der Familie haben oder übernehmen können.

    Sich sowas selbst aufzubauen aus einer Immobilie, die vorher kein Pferdehof war, ist allein schon vom finanziellen her für jeden „normalen“ Arbeitnehmer (selbst mit sehr gutem Job >150.000 EUR Haushaltseinkommen) ohne Erbe etc. einfach nicht drin.

    Natürlich bist Du, Annica, in einer finanziell sehr privilegierten Situation, da Du Deine Einnahmen skalieren konntest je mehr „Follower“ Du hattest und so viel Geld wahrscheinlich zur Seite gelegt hast und auch monatlich wesentlich mehr reinkommt als bei einem Arbeitnehmer. Fluch und Segen der Selbstständigkeit. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Vorhaben und bin gespannt wie es weitergeht.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Instagram

  • 26.5k 260
  • 18.5k 38
  • 15.1k 78
  • 16.4k 37
  • 24.9k 405
  • 26.1k 3,205
  • 27.8k 108
  • 25.2k 94
  • 20.9k 88

© Annica Hansen 2020 all rights reserved

Pin It on Pinterest

Share this

Teile diesen Blogpost mit Deinen Freunden.